Jungle+ Artikel 01.10.2026
Frauen in Armenien

Der alltägliche Kampf

Privatisierungen und patriarchale Verhältnisse bestimmen den Alltag in Armenien. Drei alleinstehende Frauen erzählen, wie sie mit den damit einhergehenden Schwierigkeiten zu kämpfen haben: Gajane, Arewik und Emma.

Über Frauenfragen wird hier in Armenien üblicherweise unter dem Aspekt der Viktimisierung diskutiert. Meistens sind es Nichtregierungsorganisationen, die das Thema aufgreifen und auf die alarmierenden Zahlen hinweisen, was häusliche Gewalt angeht. Zwischen 2022 und 2024 wurden 39 Femizide registriert, in fast allen Fällen wurden die Frauen von ihren Partnern getötet. Andere Organisationen setzen sich für mehr Quotierung ein, wodurch mehr Frauen beispielsweise ins Parlament gelangen würden.

Andere Aspekte – sexuelle Freiheit, Reproduktionsarbeit, die ökonomischen Lebensumstände von Frauen – werden jedoch selten thematisiert. Sie sind unter liberalen urbanen Hipstern nicht selten ebenso tabuisiert wie in den offener patriarchalisch geprägten Teilen der Gesellschaft. Infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs der IT-Branche und des Erstarkens reaktionärer, machistischer Tendenzen in der Politik scheint die Objektifizierung von Frauen heutzutage manchmal offener und unverhohlener stattzufinden als noch vor 20 Jahren.

Als Journalistin, die seit Jahren für das armenische Nachrichtenportal Epress.am zu Frauenthemen arbeitet, möchte ich von drei Frauen erzählen, die ich im Lauf der vergangenen drei Jahre kennengelernt habe.

Ich erinnere mich, wie ich in den nuller Jahren einen sehr rückständigen Mann sagen hörte, er habe ein niedliches Mädchen geheiratet, weil er niedliche Kinder haben wolle. Er wurde in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, zum Gespött des Jahres. Vor einigen Tagen hörte ich fast denselben Satz, ausgesprochen von einem IT-Manager auf einer Dinnerparty. Niemand außer mir schien sich daran besonders zu stören.

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