Mehr braucht die Postapokalypse nicht
Ein junger Flieger in einer betagten Cessna hält auf ein leinwandfüllendes Bergmassiv zu. Er schaltet den Motor ab, das Dröhnen weicht einer beinahe feierlichen Stille, und für einen Augenblick scheint der Pilot auf den Fels prallen zu wollen. Diese Szene, die weit am Anfang von Ridley Scotts neuem Film »Das Ende der Sterne« steht, erzählt mehr über den Seelenzustand des Protagonisten als jeder Dialog.
Hig, gespielt von Jacob Elordi, kann den Tod seiner Frau nicht verwinden. Sie starb an einer grassierenden Seuche, kurz nachdem das Paar bereits sein ungeborenes Kind verloren hatte. In diesem stillen Moment ist die Trauer des Piloten mit Händen zu greifen, und mit ihr die Verfassung all der Versprengten, denen der Film begegnet.
Scott inszeniert den Plot als einen dem Humanismus verpflichteten Neowestern, in dem bösartiger Überlebenswille und Menschlichkeit um die Vorherrschaft ringen, mit denkbar schlechten Karten für die gute Seite.
»Das Ende der Sterne«, basierend auf Peter Hellers Roman aus dem Jahr 2012, spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft. Eine verheerende Pandemie hat den Großteil der Menschheit dahingerafft, viele der Davongekommenen leiden an einer kräftezehrenden Blutkrankheit. In den Weiten der Rocky Mountains, über unberührten Bergtälern und dem Colorado River, dreht Hig mit seiner Cessna aus den fünfziger Jahren Runden. Auf dem Sitz des Co-Piloten stets dabei ist Jasper, ein Malinois, der Hig seit Welpentagen begleitet und das letzte verbliebene Band zu seinem früheren Leben darstellt.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::