Jungle+ Artikel 13.08.2026
Levente Hollós, Übersetzer von Adornos »Negativer Dialektik«, im Interview

»Man tut gut daran, das Spezifische bei Adorno herauszustellen«

Bis jetzt lag keine komplette ungarische Übersetzung der »Negativen Dialektik« von Theodor W. Adorno vor – zum 60. Jubiläum der Erstausgabe haben die Literaturwissenschaftlerin Katalin Teller und der Philosoph Levente Hollós diese besorgt. Im Gespräch mit der »Jungle World« berichtet Hollós über das schwierige Verhältnis zwischen Adorno und Georg Lukács, die Rezeption der Kritischen Theorie in Ungarn vor und nach 1989 und die Besonderheiten bei der Übertragung von Adornos Hauptwerk.

Im Jahr 1966 veröffentlichte Theodor W. Adorno die »Negative Dialektik«. In der »Vorrede« wandte er sich ausdrücklich an Leser »hüben und drüben« – also westlich und östlich des »Eisernen Vorhangs«. Ist das Buch im realsozialistischen Ungarn wahrgenommen worden?

Ja, obwohl es damals nicht einfach war, an Publikationen aus dem Westen zu kommen. Georg Lukács beispielsweise verfügte über die notwendigen Kontakte. Im Lukács-Archiv – in seiner ehemaligen Wohnung in Budapest – findet sich ein Exemplar der ersten Ausgabe der »Negativen Dialektik« mit Randbemerkungen. Lukács pflegte, Markierungen mit Papierstreifen aus Zigarrenschachteln vorzunehmen. Diese liegen bis heute in der Ausgabe. In der Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissenschaften trafen die Bände der Adorno-Gesamtausgabe dann im Laufe der siebziger Jahre nach und nach ein. Es gibt also durchaus Verbindungen zwischen Ungarn und der ersten Generation der Kritischen Theorie. Gleichzeitig waren viele kritische Intellektuelle nicht besonders an Horkheimer und Adorno interessiert.

»Bereits 1957 ist in Ungarn die Originalausgabe der ›Dialektik der Aufklärung‹ rezensiert worden. Hier lautete der Vorwurf, dass Horkheimer und Adorno die sozialistische Praxis blockieren würden.«

Was waren die Gründe dafür?

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