Der Hitze ausgesetzt
In der letzten Juniwoche wurden an drei Tagen in Folge neue deutschlandweite Temperaturhöchstwerte erreicht. Mit 41,7 Grad war es in Neißemünde-Coschen in Südbrandenburg am heißesten. Die Folgen dieser Hitzewelle waren enorm: Waldbrände, abgesagte Kultur- und Sportveranstaltungen, Hitzeschäden an Schienen und Straßen, überlastete Notaufnahmen und nicht zuletzt eine höhere Sterberate. Das Gesundheitsministerium von Nina Warken (CDU) reagierte darauf mit billigen Ratschlägen: genug trinken und wenn möglich zu Hause bleiben.
Für viele Menschen war dies jedoch keine Option. Wer im Freien arbeitet, kann seine Tätigkeit nicht ins Homeoffice verlegen und kaum auf kühlere Stunden verschieben. Die rund 876.000 Beschäftigten in der Landwirtschaft hierzulande sind der Hitze besonders ausgesetzt. Für sie fehlen bislang Hitzeschutzkonzepte nahezu vollständig, kritisiert Max Bürck-Gemassmer im Gespräch mit der Jungle World. Der Allgemeinmediziner ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Das seit dem Jahr 2017 bestehende Netzwerk von Einzelpersonen, Organisationen und Verbänden aus dem Gesundheitsbereich beschäftigt sich mit den Folgen der globalen Erwärmung für die Gesundheit. Ein zentrales Problem im Bereich der Landwirtschaft sei, dass dort die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), die Mindestvorschriften für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten enthält, de facto nicht greife. Das liegt daran, dass »Felder, Wiesen, Weinberge oder Waldflächen außerhalb der bebauten Hoffläche« von den meisten Vorgaben gemäß ArbStättV ausgenommen sind. Daher müssten dort »dringend klare Arbeitsschutzregelungen getroffen werden«, so Bürck-Gemassmer.
Insbesondere Saisonarbeiter in prekären Arbeitsverhältnissen müssten besser vor extremer Hitze geschützt werden.« Max Bürck-Gemassmer, stellvertretender Vorsitzender von KLUG e. V.«
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