»Berlin war grau, aber voller Möglichkeiten«
Sie sind nicht in Berlin aufgewachsen. Woher kommen Sie ursprünglich?
Ich bin ein typisches »Wessi-Kind«. Mein Vater war Bundeswehrsoldat, deshalb sind wir alle paar Jahre umgezogen. Ich habe mehrere Schulen besucht und bin quer durch die Bundesrepublik gekommen. Geboren wurde ich in Bayern, vor Berlin habe ich in München gelebt.
Haben Sie sich dich dort als schwul geoutet?
Ich hatte keine klassische politische Sozialisation hinter mir, aber ich merkte schnell, dass schwule Emanzipation und politische Kämpfe zusammenhängen.
Eher unfreiwillig. Meine Eltern fanden Briefe meiner ersten Liebe. Ich war 17 Jahre alt. Für sie war das ein kompletter Schock. Mein Vater drohte sogar mit der Polizei. Damals galt noch der Paragraph 175, Homosexualität war gesellschaftlich stark stigmatisiert. Unterstützung oder Beratungsangebote kannte ich nicht. Ich lebte in der Kleinstadt Erding, und man versuchte dort eher, sich unsichtbar zu machen.
Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Als Jugendlicher war ich zunächst eher Hippie, später wurde ich dann Punk. Es gab in der Gegend eine kleine alternative Szene mit Konzerten und politischen Diskussionen. Das war wahnsinnig wichtig für mich. Gleichzeitig war mir klar: Wenn ich wirklich frei leben wollte, musste ich irgendwann weg.
Zunächst ging es nach München?
Genau, nach der zehnten Klasse begann ich dort eine Friseurlehre. Ich lebte zunächst noch bei meinen Eltern, zog aber bald in eine WG. München war größer und liberaler als mein Heimatort, aber während der Aids-Krise wurde das politische Klima auch da immer unangenehmer.
Was meinen Sie damit?
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::