Homestory #25/2026
Einer der Slogans Ihrer Lieblingszeitung lautet: »Es bleibt kompliziert.« Und der bewahrheitet sich öfter, als man gemeinhin annimmt. Zurzeit hilft hier in der Redaktion zum Beispiel kurzzeitig ein älterer Kollege aus, der schon sehr lange nicht mehr bei uns war.
Wir finden ihn im Grunde ganz nett, aber an einiges muss er sich anscheinend erst gewöhnen. Damit, wie man einen Computer benutzt, ist er halbwegs vertraut. Wenn er auch, wie er neulich nicht ohne einen Anflug von Altherrenstolz verkündete, seine »ersten Hausarbeiten an der Uni noch mit einer elektrischen Schreibmaschine geschrieben« habe.
So etwas wie Homeoffice oder das Arbeiten in der Cloud, sagt er, habe es in der Redaktion »früher nicht gegeben«. Man möge bitte »Nachsicht« mit ihm haben, wenn er »nicht immer sofort den richtigen Bedienknopf« finde, sagt er. Dabei schaut er uns mit einem traurigen Hundeblick an, als vermisse er die Zeiten, in denen Telefone noch Kabel hatten, die irgendwo in der Wand verschwanden.
Wir sind eine integrative Redaktion, Altersdiskriminierung und Analog-Shaming haben bei uns nichts verloren.
Zu seiner Zeit, so behauptet der Kollege außerdem, sei der Zigarettenrauch in den Räumen so dicht gewesen, dass man nicht immer sofort hätte sagen können, ob man sich gerade in der Jungle World-Redaktion oder im Schornstein des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde befand.
Doch wir sind eine integrative Redaktion, Altersdiskriminierung und Analog-Shaming haben bei uns nichts verloren. Dass er seine Tastatur nur mit seinen zwei Zeigefingern bedient, stört uns nicht. Man soll ja nicht versuchen, ältere Leute umzugewöhnen. Vielmehr kümmern wir uns um ihn: Wir haben ihm schon erfolgreich erklärt, was »Telegram« ist, haben ihm gezeigt, wie der redaktionseigene Espressoautomat bedient wird und wie er auf seinem Smartphone die Uhrzeit ablesen kann. Wir sind geduldig.
Heutzutage gibt es ja auch diese Seniorentelefone mit großen Tasten und großer Schrift. Vielleicht führt irgendwann ein findiges Unternehmen auch Computertastaturen dieser Art ein. Dann hätten wir auch schon ein schönes Abschiedsgeschenk für ihn, wenn seine Zeit als »Aushilfe« hier wieder endet. Und ehrlich gesagt: Er ist ja nicht der einzige boomer in der Redaktion, auch andere sind am, ähem, lebenslangen Lernen, selbst wenn sie die Cloud lieber am Himmel betrachten und niemals in workation gehen würden.