11.06.2026
KI wird die Geschlechterungleichheit im Arbeitsleben verschärfen

Putzen statt nutzen

Frauen nutzen KI-Anwendungen seltener und weniger intensiv als Männer. Forscherinnen sprechen daher in Analogie zum »Gender Pay Gap« von einem »Gender AI Gap«.

Frauen nutzen KI-Anwendungen seltener und weniger intensiv als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und der Initiative D21 für digitale Transformation. Wer Künstliche Intelligenz einsetze, steigere seine Effizienz, erweitere Handlungsspielräume und verbessere so die eigenen Karrierechancen, heiß es in der Studie. Die Forscherinnen sprechen daher in Analogie zum »Gender Pay Gap« von einem »Gender AI Gap«.

Tatsächlich befürchten die Macherinnen der Studie auch eine Vergrößerung der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern. Das ist sehr gut möglich. Schließlich mausern sich KI-Anwendungen von kleinen digitalen Helfern zu komplexen Tools. Wer in ihrem Umgang geschult ist und sie anwendet, kann davon im Beruf profitieren. Diese neue digitale Kompetenz wird künftig auch über Einstiegs- und Aufstiegschancen mitentscheiden.

Solche Fähigkeiten müssen möglichst früh eingeübt werden, damit aus den jungen Leuten später mal was wird. Wer also heute im muffigen Computerkeller bei seinen Eltern eklige Deepfakes erstellt, hat vielleicht morgen die besten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, könnte man zynisch meinen.

Wer heute im muffigen Computerkeller bei seinen Eltern eklige Deepfakes erstellt, hat vielleicht morgen die besten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, könnte man zynisch meinen.

Damit nicht genug. Gleichzeitig sind es nämlich auch ganz maßgeblich Frauen, die ihre Arbeitsplätze durch digitale Transformationsprozesse verlieren werden. Das liegt hauptsächlich daran, dass Frauen oft Berufen tätig sind, die sich gut automatisieren lassen, beispielsweise Tätigkeiten in der Verwaltung, als Assistentin im Büro oder in der Dateneingabe. Diese Aufgaben lassen sich mit Hilfe von KI und bestimmten Programmen relativ gut automatisieren.

Nur die richtige Drecksarbeit und die mit Emotionen und Zuneigung verbundene Care-Arbeit, die lässt sich noch nicht so leicht ersetzen. Die Drecksarbeit, weil man für die irgendwo auf der Welt billige Arbeitskräfte findet, die die unliebsamen Tätigkeiten günstiger als eine Maschine erledigen. Die Care-Arbeit, weil sie ohnehin meist unbezahlt ist und man mit Chat GPT zwar flirten kann, das aber noch keine zwischenmenschlichen Begegnungen ersetzt. Wobei auch unter älteren Menschen die Tendenz zunimmt, sich in emotionalen Belangen KI-Companions und Chatprogrammen zuzuwenden.

Und solange die KI-Anwendungen im Eigentum von Großinvestoren bleiben, wird die Kluft zwischen Profiteuren und Abgehängten immer größer werden. Ein reines Gleichstellungsproblem ist die Künstliche Intelligenz nämlich nicht. Autoritäre Systeme und Organisationen weltweit nutzen die algorithmischen Mechanismen der großen Plattformen auch fleißig für die Verbreitung von Desinformation und Propaganda.