Antipluralistische Software
Man hat sich fast schon daran gewöhnt, dass US-amerikanische Multimilliardäre der IT-Branche rechtsextreme Positionen in sozialen Medien verbreiten. Bislang taten sie das formal jedoch als Personen – es postete Elon Musk, nicht Tesla oder Space X –, so dass man noch glauben konnte, der Eigentümer, Anteilseigner oder CEO sei etwas verschroben, das Produkt seines Unternehmens aber bleibe politisch unbelastet.
Bei Palantir ist das nun nicht mehr möglich. Dessen Mitgründer und Geschäftsführer Alex Karp (geschätztes Vermögen: etwa 18 Milliarden US-Dollar) postete am 18. April auf X ein »Manifest«, eine 22 Punkte umfassende Kurzfassung seines im vorigen Jahr erschienenen Buchs »The Technological Republic« – auf dem Account von Palantir. Damit handelt es sich um eine Kommandoerklärung des Software-Unternehmens, dessen Produkte nicht zuletzt von Militär und Polizei genutzt werden.
Palantir verschreibt sich dem rechten Kulturkampf: »Wir müssen der oberflächlichen Versuchung eines leeren und hohlen Pluralismus widerstehen. Wir in Amerika und im weiteren Sinne im Westen haben uns im vergangenen halben Jahrhundert im Namen der Inklusivität dagegen gewehrt, nationale Kulturen zu definieren. Aber Inklusion in was?«
Diese Kommandoerklärung ist nicht sonderlich kohärent, sie kritisiert unter anderem die »Tyrannei der Apps« und fordert mehr Nachsicht mit Politiker:innen. Doch es gibt eine klaren Kern: Palantir sieht sich als kämpfendes Unternehmen in einem kommenden, mit KI-Waffen geführten globalen Konflikt. Die Führungsrolle gebührt selbstverständlich den USA, doch müsse auch »die Nachkriegskastration (»postwar neutering«) Deutschlands und Japans rückgängig gemacht werden«.
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