Aufarbeitung eines langwährenden Unrechts
Die mitteleuropäische Projektion, bei den nordischen Ländern handle es sich um Musterbeispiele des real existierenden inklusiven, progressiven Sozialstaats, ist sehr wirkmächtig. Dass Finnlands rechte Regierung tatsächlich eine rechte – rassistische und radikal neoliberale – Politik verfolgt, scheinen viele kaum zu glauben.
Ebenso schnell aus dem Bewusstsein gerät, dass sich die dänische Sozialdemokratie in eine nahezu rechtspopulistische Partei verwandelt hat und dass sich während der Hochphasen der Covid-19-Pandemie im »schwedischen Weg«, der im Vergleich zu vielen Staaten weniger Kontaktbeschränkungen vorsah, Wissenschaftsfeindlichkeit, Wohlstandschauvinismus und Rassismus vermengten.
Besonders die schwedische eugenische Tradition, verbunden mit den Forschungen eines eigenen schwedischen rassenbiologischen Instituts, ist bemerkenswert. Dieses Institut war 1922 weltweit das erste seiner Art, das staatlich gefördert wurde, und wurde erst 1958 umbenannt und umgewidmet.
In Finnland wurden bis in die siebziger Jahre anthropologische Untersuchungen an Samen genehmigt, bei denen auf überkommene Rassevorstellungen zurückgegriffen wurde.
Relativ unbekannt ist auch die historische und derzeitige Diskriminierung der Samen, die als einzige indigene Bevölkerungsgruppe Europas gelten. Die Samen, eine sich aus unterschiedlichen samischsprachigen Gruppen zusammensetzende Ethnie, leben im Norden Norwegens, Schwedens, Finnlands und auf der russischen Halbinsel Kola. Im Laufe der Jahrhunderte waren sie unterschiedlichen Formen von Repression, Ausgrenzung, aber auch Zwangsassimilation unterworfen.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::