05.02.2026
Veränderungen stehen ins (Deutsche) Haus

Homestory #06/2026

Die »Jungle World« schafft mehr Platz für Texte über Rechtsextreme, Homophobe und Islamisten.

Eine Wochenzeitung muss immer eine Auswahl treffen. Der Platz ist begrenzt und in der Welt passiert sehr viel, vor allem in jüngster Zeit. Was macht man also zum Beispiel mit der Meldung, dass ein 26jähriges Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Offenbach von ­einer Autofahrerin aus antisemitischen Motiven bedroht wurde, als es gerade die Synagoge verließ?

Oder, dass ein 57jähriger Mann in Berlin-Friedrichshain lautstark antisemitische und nationalsozialistische Parolen rief und die Polizei später ein Klappmesser bei ihm sicherstellte; dass beim schwulen Beratungszentrum Maneo – mal wieder – die Türen eingeschlagen wurden; dass eine 41jährige und ein 54jähriger eine junge Frau in einem Bus in München wegen ihres Kopftuchs beleidigten und schlugen; dass ein stark alkoholisierter Mann zwei Frauen am Bahnhof Recklinghausen rassistisch schmähte und am selben Tag ein Mann in einer Straßenbahn in Dresden eine Familie auf rassistische Weise beschimpfte; oder dass ein 24jähriger Mann in einer Straßenbahn in Erfurt wegen seines Davidsterns von einem anderen Mann angegriffen und mehrfach getreten wurde?

Die rassistische, antisemitische, und homophobe Gewalt geht unvermindert weiter.

Sie werden es schon bemerkt haben: All diese Vorfälle haben wir gemeldet. In der Rubrik »Deutsches Haus« wird auf der »Antifa«-Seite seit Gründung Ihrer Lieblingszeitung gesammelt, was uns in der Woche zuvor an rassistischen, antisemitischen, homophoben Vorfällen zu Ohren gekommen ist. Damit wurde der Teil des deutschen Alltags dokumentiert, der es sonst meistens nur als kleine Meldung in die Lokalpresse schafft, wenn überhaupt.

Man konnte dort anschaulich erfahren, was sich hinter den Statistiken verbirgt, laut denen die Zahl antisemitischer Übergriffe nach dem 7. Oktober deutlich gestiegen ist. Oder wie erstaunlich häufig Kinder zum Ziel rassistischer Übergriffe Erwachsener werden. Die rassistische, antisemitische, und homophobe Gewalt geht unvermindert weiter und sprengt letzten Endes unsere Rubriken. Wir werden deshalb das »Deutsche Haus« – ebenso wie die »Action«, die Terminsammlung auf derselben Seite – ab nächster Ausgabe einstellen. Dann ist auf der »Antifa«-Seite zukünftig noch mehr Platz für Texte über Rechtsextreme, Homophobe und Islamisten. Genug Material gibt es ja leider.