Jungle+ Artikel 29.01.2026
Das in vielen US-Bundesstaaten geltende Verbot von Konversionstherapien könnte fallen

Foltern für die Meinungsfreiheit

Noch sind in vielen US-Bundesstaaten sogenannte Konversions­therapien für Minderjährige verboten. Der inzwischen mehrheitlich mit religiösen Rechten besetzte Supreme Court könnte dies allerdings in absehbarer Zeit ändern.

»Maulkorberlass« – so nennt die Therapeutin und praktizierende Christin Kaley Chiles aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Colorado das dortige gesetzliche Verbot, homo- und transsexuelle Minderjährige einer sogenannten Konversionstherapie zu unterziehen, einer pseudowissenschaftlichen Praktik, die darauf abzielt, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität gesellschaftlichen oder religiösen Normen zu anzugleichen.

Betroffene sollen konditioniert werden, indem man ihnen Elektroschocks zufügt oder mutwillig Erbrechen herbeiführt, während beispielsweise Schwulenpornos gezeigt werden. 

Chiles setzt sich derzeit vor dem Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, gegen das Verbot ein. Sie argumentiert, die Regelung, die in ihrem Bundesstaat seit 2019 gilt, verletze ihr Recht auf freie Meinungsäußerung. Denn ihre Überzeugung sei es, dass sich Menschen am besten entwickeln, »wenn sie im Einklang mit Gottes Schöpfung leben – einschließlich des biologischen Geschlechts«. Das Urteil steht noch aus. Bei einer Anhörung im Oktober zeichnete sich allerdings ab, dass Chiles eine Mehrheit der konservativen Richter:in­nen überzeugen dürfte. Mehr als deutlich machte das Richter Samuel Alito: Das Verbot sei eine »eklatante Diskriminierung«.

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