Erfolgreich gegen Barrieren
Für die Geschichtsschreibung der neuen sozialen Bewegungen sind Zeitzeugenberichte von besonderem Wert. In den vergangenen Jahren sind einige erschienen. Die Behindertenbewegung ist dabei bislang allerdings unterbelichtet geblieben. Ende des vergangenen Jahres ist nun aber beim Berliner Verlag Assoziation A »Frech und Frei – 50 Jahre Kämpfe der Behindertenbewegung« von Udo Sierck erschienen. Das Buch ist ein Zeugnis der sich entwickelnden Selbstbestimmt-Leben-Bewegung seit Mitte der siebziger Jahre, die Sierck maßgeblich mitbestimmte.
Sierck, geboren 1956 in Hamburg, musste aufgrund einer spastischen Einschränkung als Kind auf eine Sonderschule gehen. In den siebziger Jahren gelang es ihm, aufs Gymnasium zu wechseln und später schließlich Bibliothekswesen, Ethnologie und Geschichte zu studieren. In der Antiatomkraftbewegung politisiert, wurde er zu einem Protagonisten der westdeutschen Behindertenbewegung, die sich ab Mitte der siebziger Jahre formierte.
»Der Normalisierung von rechts zu begegnen, heißt für mich öffentlich präsent zu bleiben und dabei jene nicht zu vergessen, die das nicht können.« Udo Sierck, Behindertenaktivist
Seine Biographie steht in dem Buch jedoch nicht im Vordergrund. Vielmehr beschreibt er die Kämpfe und Aktionen der von ihm mitgeprägten Bewegung. Dies geschieht nicht in chronologischer Reihung, sondern thematisch gegliedert nach den politischen Auseinandersetzungen, wie zum Beispiel dem Kampf um den Zugang zum öffentlichen Raum, der Kritik an Institutionen der Betreuung und Verwahrung oder dem Verweisen auf die besondere Situation behinderter Frauen.
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