04.09.2025
Pläne für den Winter – die Kolumnistin überlegt, ob sie alte Fotos digitalisieren soll

Verstaubte Alben

Man könnte an den kommenden langen, dunklen Winterabenden die Bilder aus alten Fotoalben digitalisieren. Es gibt aber auch gute Argumente dagegen.

Und nun ist es plötzlich schon wieder Herbst, und so langsam kann man anfangen, sich zu überlegen, was man in den kommenden langen, dunklen Winternächten tun könnte. Also außer Filme und Serien zu gucken, neue Kochrezepte auszuprobieren und das dann aber doch irgendwann wieder sein zu lassen und mit Freunden ins Restaurant zu gehen.

Auf den Winterplan gehört diesmal aber das Digitalisieren von Fotos, konkret der Bilder in den viel zu vielen Alben, die seit Ewigkeiten im Regal stehen und die man niemals ansieht. Weil, und das spricht gegen die Digitalisiererei, sie oft aus Aufnahmen von Leuten bestehen, die man nicht kennt.

Wie glücklich Oma und Opa aussahen, wie fröhlich sie waren und wie jung, und wie wichtig ihnen diese Unbekannten waren, mit denen sie lachend vor Notre-Dame oder dem Buckingham Palast standen, schön angezogen und mit schicken Hütchen auf dem Kopf.

Aber so war das halt in der analogen Zeit. Wenn Oma, Opa, Eltern starben, wäre man nie auf die Idee gekommen, deren Fotoalben wegzuwerfen, weil sie ja schließlich ihre Leben enthielten und dazu gehörten eben Partys, Ausflüge, Hochzeiten, Reisen, mit jeder Menge fremder Personen.

Wie glücklich sie aussahen, wie fröhlich sie waren und wie jung, und wie wichtig ihnen diese Unbekannten waren, mit denen sie lachend vor Notre-Dame oder dem Buckingham-Palast standen, schön angezogen und mit schicken Hütchen auf dem Kopf. Danach dann ins Restaurant, oder zum Abendessen bei Freunden.

Sollte man Fotos, die man nie wieder ansehen wird, wirklich digitalisieren? Und die offenkundig mit viel Sorgfalt ausgesuchten Alben, die zweifellos der dernier cri der Fünfziger waren, einfach wegwerfen? Vielleicht doch diese eigentlich sehr charmant aussehenden Fotobücher behalten und nur die Bilder entsorgen?

Damals gab es noch keine Wikipedia

Aber um was damit zu machen? Und außerdem, zu fast jedem Foto findet sich ein handschriftlicher Text, mal kurz »Abend bei den XY«, mal lang, »Ausflug ins Hohe Venn« mit interessanten Einzelheiten zu Land und Landschaft, jedoch niemals zu den darauf zu sehenden Leuten, die waren ja schließlich Freunde fürs Leben.

Damals wurde sehr sorgfältig erwogen, was zu den Bildern dazugeschrieben werden sollte, gab schließlich kein Wikipedia, wo man eben mal nachgucken konnte, was die Moore bei Baraque Michel so besonders machte. Tja, vielleicht einfach besser weiter im Regal stehen lassen, die Alben.