Jungle+ Artikel 24.07.2025
Bei einer Gedenkwanderung in den Hohen Tauern

Gedenken an jüdische Alpenflucht

Der Verein für aktive Gedenk- und Erinnerungskultur Alpine Peace Crossing organisiert jedes Jahr eine Gedenkwanderung in den österreichischen Alpen. 1947 flohen schätzungsweise 5.000 bis 8.000 europäische Juden über die Hohen Tauern und Italien nach Israel.

»Juden betreten unseren Ort auf eigene Gefahr« – mit dieser Drohung empfing der idyllische Alpenort Krimml im Pinzgau des Salzburger Landes Reisende bereits 1938, kurz nach dem »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich. Krimml war schon 1932 eine Nazi-Hochburg. 37,9 Prozent der Einwohner wählten damals die NSDAP-Hitlerbewegung, das österreichische Pendant zur deutschen NSDAP – ein Wert, der weit über dem Doppelten des Durchschnitts des Salzburger Landes und der gesamten Republik lag.

Dem kleinen Verein für aktive Gedenk- und Erinnerungskultur Alpine Peace Crossing (APC) ist es gelungen, Krimml seit 2007 jedes Jahr an einem Wochenende im Juni in einen Ort des Gedenkens zu verwandeln, bei dem Antifaschisten aus Österreich und anderen Regionen zusammenkommen. Dann hängt ein Stoffbanner mit dem APC-Logo und der Aufschrift »Gewidmet allen Flüchtlingen weltweit« an vielen Gasthäusern.

»Herzlich willkommen in Krimml, leider sind die Israelis dieses Jahr nicht gekommen«, sagt die freundliche Frau in der Touristeninformation, während sie Infomappen und Teilnahmebuttons an die frisch angereisten Wanderer austeilt. Rund 250 Menschen nehmen jährlich an der Gedenkwanderung teil, darunter teils Nachfahren derjenigen Juden, die 1947 die abenteuerliche Flucht über die Krimmler Tauern Richtung Italien wagten. Dieses Jahr sind es aufgrund der vielen kriegsbedingten Absagen aus Israel nur etwas über 200.

Bella und Moshe Tallit gehörten der Bricha (hebräisch für »Flucht«) an, einer jüdischen Untergrundbewegung, die zwischen 1944 und 1948 europäischen Juden half, aus Europa fortzukommen.

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